CSO-Complejo Solar Oruro

Solarkomplex Oruro

Schwerpunkte: Solarenergie, Biogas & Brunnen

Die umfassende Nutzung von erneuerbaren Energien ist eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit. Aus diesem Grund hat sich der Complejo Solar Oruro (CSO) zum Ziel gesetzt, in Anbetracht der immer knapper werdenden Brennstoffsituation, regenerative, umweltfreundliche Energie in Bolivien einzusetzen. Vor allem in den Regionen Oruro, La Paz und Cochabamba wird versucht im Rahmen des Complejo Solar Oruro die Lebensqualität der Menschen vorwiegend in ländlichen Regionen durch die Bereitstellung von Solarenergie zu verbessern. Das Departement Oruro liegt 3.700 Meter über dem Meer und wird 320 Tage pro Jahr von der Sonne beschienen. Das Potential der Sonne liegt bei 2200 kWh pro Jahr. Damit ist es beinahe eineinhalbmal so hoch wie in Österreich. Diese Energieform zum Wohle der Bevölkerung zu nutzen, scheint deshalb sehr naheliegend. Armutsbekämpfung und Klimaschutz gehen so Hand in Hand.

Vorrangig widmet sich der CSO dem Absatz von Solarprodukten in ländlichen Regionen. Beim Wissenstransfer- und Austausch und der Umsetzung eines umfassend verstandenen Nachhaltigkeitsprinzips, stehen auch die Beibehaltung und der Respekt der Kultur und Tradition vor Ort im Vordergrund.

 

Geschichte

 

Der Complejo Solar Oruro entstand aus einer Initiative zur Förderung von regenerativen Energien auf dem Altiplano (andines Hochplateau). Von Beginn an wurde die Einführung von Solartechnologie als Alternative zu den spärlich vorhandenen, traditionellen Brennstoffen verfolgt. Nach Vorläufern und verschiedenen Tests mit Solarkochern und Lampen in diversen Dörfern ab dem Jahr 2002, kam es 2006 zur Vereinsgründung. Drei bolivianische Organisationen aus den Bereichen ländliche Erwachsenenbildung und Schule sowie Umweltbildung und die österreichische Organisation INTERSOL arbeiten seither an der Weiterentwicklung des Complejo Solar Oruro.

 

Trägerorganisationen des Complejo Solar Oruro

 

Der CSO ist eine eigenständige zivilgesellschaftliche Organisation bolivianischen Rechts. Er setzt sich aus drei Institutionen zusammen, wobei das Direktorium, laut Statut von den Direktoren dieser Trägerorganisationen gebildet wird. Diese Form der Trägerschaft fördert Solidarität und Komplementarität statt einseitigen Geber-Empfänger-Beziehungen. Neben INTERSOL wird der CSO noch durch 2 weitere Institutionen getragen:

CEPA à Centro de Ecologia y Pueblos Andinos: Das CEPA ist ein Zentrum für Ökologie und andine Völker, wobei hauptsächlich in den Bereichen der anthropologischen Forschung andiner Völker (Forschung der andinen Völker oder eher Forschung zu andinen Völkern?) und des Umweltschutzes, bzw. des nachhaltigen und ökologischen Landbaus gearbeitet wird.

IAI à Instituto de Aprendizaje Industrial: Das IAI ist ein von Jesuiten gegründetes Institut, ähnlich dem Schultyp einer Höheren Technischen Lehranstalt (HTL). Das IAI bietet den Schüler/innen Ausbildung in diversen technischen Sachbereichen (Mechanik, Elektrotechnik, Bautechnik) an.

 

Solarkomponenten

 

Solarkocher

Seit 2005 wurden vom CSO mehr als 300 Solarkocher an Personen in ländlichen Regionen übergeben.

Die einfallenden Sonnenstrahlen werden durch die parabolische Form des Solarkochers im Brennpunkt konzentriert, in dem sich ein schwarzer Kochtopf befindet.

Es entstehen Temperaturen bis zu 200°C, was das Kochen und Backen jedes Gerichtes ermöglicht.

Der Solarkocher ist besonders interessant für Regionen in denen nur Brennholz oder getrockneter Mist als Brennmaterial zur Verfügung steht. Im bolivianischen Altiplano gibt es rund 320 Sonnentage pro Jahr, daher sind Solarkocher hier besonders effizient nutzbar.

 

Vorteile des Solarkochers:

* Frauen und Kinder in Ländern mit Brennstoffmangel werden vom täglichen Holzsammeln entlastet.

* Es entsteht kein gesundheitsschädlicher Rauch beim Kochen.

* Verbrennungen am offenen Feuer werden vermieden.

* Der Solarkocher verringert CO2-Emissionen und schafft Unabhängigkeit von herkömmlichen Brennstoffen wie Gas, Kerosin, Brennholz und Kuhdung. Der Kuhdung kann stattdessen zu landwirtschaftlichen Zwecken verwendet werden.

Die Materialien können alle, bis auf die Reflektorbleche in Bolivien gekauft werden.

Solarlampe

Der CSO arbeitet schon seit 2005 mit LED-Solarlampen und es wurden über 400 Lampen mit Solarpanel übergeben.

Die Akkus der Lampe können tagsüber in durchschnittlich 6 Stunden aufgeladen werden, und haben einen Leuchtdauer von max. 8 Stunden.

Vor allem in nicht elektrifizierten Gebieten, im Bergbau, der Landwirtschaft und Fischerei ist die Verwendung von Solarlampen absolut sinnvoll.

 

Vorteile der Solarlampe:

* Keine rußende Flamme àkeine Augenleiden bzw. Bronchienbeschwerden

* keine Verbrennungsquelle z.B. für Kinder, Tiere

* Ersetzt die Nutzung von Kerosinlampen und Kerzen

* Die Solarlampe hat ein breites Lichtspektrum à klares und helles Licht

* Saubere und umweltfreundliche Energie

* Mobile Leuchte à überall einsetzbar

Die Materialien für Lampe und Panel kommen aus Österreich und Deutschland; die gesamte Fertigung wird aber vom CSO realisiert.

Solarradio

Das Modell Sony ICF 18 ist das meistverwendete Radio in Bolivien, da es am Land den besten Empfang hat. Das Radio wird im Normalfall mit 2 Batterien betrieben. Die Umrüstung auf Solarbetrieb geschieht durch den Einbau von zwei AA Akkus, Verkabelung und Anschlüssen. Durch ein Minisolarpanel werden die Akkus in ca. 8 Stunden aufgeladen und das Radio kann bei mittlerer Lautstärke ca. 60 Stunden betrieben werden.

Das Radio ist in Bolivien v.a. am Land das wichtigste Kommunikationsmedium. Durch Radio werden Treffen, Verkäufe, aktuelle Preise und andere wichtige Informationen kommuniziert.

 

Vorteile des Solarradios:

* Keine Kontamination durch alte Batterien

* Transportfähig und überall aufladbar, wo die Sonne scheint

* Wirtschaftlich, da keine Batterien gekauft werden müssen

Die Radios werden in Bolivien gekauft. Das Material für die Solarmodule und die Akkus kommen aus Deutschland und Österreich.

Solare Handyladung

Das Solarpanel dient dazu Handys, bzw. Batterien aufzuladen. Es gibt zwei verschiedene Arten, Handys solar aufzuladen.

Indirekte Methode:

Hierbei wird zuerst eine AA Batterie durch ein Solarpanel aufgeladen, welche dann über ein Batterieladegerät das Handy auflädt.

Die indirekte Methode ist mehr als Notfallladegerät gedacht, deshalb für den regelmäßigen Gebrauch unpraktisch.

Direkte Methode:

Das Solarpanel wird direkt angeschlossen und lädt das Handy. Im Vergleich zur Handyladung mit Netzstecker dauert das komplette Aufladen mit Solarpanel etwas länger.

Aufgrund der besseren Erfahrungen mit den direkten Solarpanels, verkauft der CSO eigentlich nur diese. Die Solarpanels für alle genannten Solarprodukte fertigt der CSO in Oruro.

 

Außerdem …..

Bieten wir an, forschen und arbeiten wir mit weiteren Technologien im Bereich erneuerbare Energien. Diese sind:

  • Solare Handyladegeräte
  • Solarpumpen
  • Solarduschen
  • Biogasanlagen
  • Brunnenbohrungen

 

Wirkungsbereiche

 

Der Einsatz der Solarenergie im bolivianischen Hochland hat eine multiple Problemlösungskapazität. Die reichlich vorhandene Sonnenenergie kann die Lebensqualität in vielfältiger Weise verbessern.

Gesundheit

Durch Anwendung des Solarkochers und der Solarlampe wird die Produktion atemwegsschädigenden Rauchs

vermieden, der bei konventionellen Kochmethoden durch Verbrennung von Sträuchern bzw. Dünger und durch

Kerosinlampen entsteht.

Wirtschaft

Die Produktion der Komponenten des Solarkomplexes findet zum Teil (wo möglich) in Bolivien statt, wodurch Arbeitsplätze geschaffen wurden und die Volkswirtschaft unterstützt wird. Außerdem bietet sich der Solarkocher zur Einkommenslukrierung an (Bsp.: Produktion von Marmeladen und Eingekochtem).

Energie und Umwelt

Die im Solarkomplex eingesetzten Technologien tragen zur Erhaltung einer intakten Umwelt bei. Im Altiplano bezieht sich dies z.B. auf die Vermeidung der Erosion des ohnehin schon kargen Bodens.

Kultur

In der indigenen Mythologie wird die Sonne durch “Tata Inti” (Vater Sonne) und die Fruchtbarkeit der Erde durch “Pachamama” (Mutter Erde) personifiziert: Man schützt also durch die Energie von “Tata Inti” das Wohlbefinden der “Pachamama”.

Politik

Durch die Ortsunabhängigkeit der Energiequelle Sonne verleiht die Nutzung der Solartechnologien Autonomie. Durch Solarradios und solare Handyladegeräte wird Kommunikation und politische Partizipation der Landbevölkerung ermöglicht.

Technik

Da diese Technologien vormals nur in Europa produziert wurden, impliziert ihre Anwendung in Technologietransfer. Der Solarkomplex Oruro fördert die Einführung von Solartechnologien durch Unterstützung in finanziellen, technischen und logistischen Bereichen. Es wird z.B. eine Teilsubventionierung der Produkte angeboten.

 

Weitere Infos

Infofolder Complejo Solar Oruro

Präsentationsmappe CSO

Infos zur verwendeten Technik

 


Größere Kartenansicht